Whitepaper · Juni 2026

Legacy-Modernisierung in Österreich 2026

Warum COBOL-Systeme jetzt modernisiert werden müssen – und wie Unternehmen den Wandel erfolgreich gestalten.

13 SeitenLesezeit ca. 15 Min.DeutschQUATERNIA IT Solutions

1. Executive Summary

Stellen Sie sich vor, Ihr wichtigster Entwickler geht nächstes Jahr in Pension. Er ist der Letzte im Unternehmen, der versteht, warum das Kernbankensystem bei bestimmten Buchungsarten einen Umweg über drei Unterprogramme nimmt, die 1987 geschrieben wurden. Dieses Wissen steht in keiner Dokumentation. Es existiert nur in seinem Kopf. Und wenn er geht, geht es mit ihm.

Das ist kein hypothetisches Szenario. Es ist Alltag in österreichischen Banken, Versicherungen und Behörden. Die COBOL-basierten Kernsysteme, die seit Jahrzehnten das Rückgrat kritischer Infrastruktur bilden, geraten 2026 unter beispiellosen Druck und zwar von mehreren Seiten gleichzeitig: Ein sich verschärfender Fachkräftemangel, das angekündigte Fujitsu-Mainframe-End-of-Life bis 2030, die seit Januar 2025 geltende EU-Verordnung DORA sowie KI-gestützte Werkzeuge, die erstmals eine realistische Beschleunigung von Modernisierungsprojekten ermöglichen.

Die Dimension des Problems wird in den Zahlen sichtbar: Weltweit sind nach wie vor rund 220 Milliarden Zeilen COBOL-Code im Einsatz. Sie verarbeiten täglich Transaktionen im Wert von drei Billionen US-Dollar und bilden die Grundlage von 43 Prozent aller Bankensysteme. Das Durchschnittsalter der Entwickler, die diesen Code pflegen, liegt bei über 55 Jahren. Jährlich scheiden rund zehn Prozent aus dem Berufsleben aus. Nachwuchs gibt es kaum.

Der globale Markt für Legacy-Modernisierung wächst laut ResearchAndMarkets von 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf voraussichtlich 27,3 Milliarden bis 2029. Laut Lünendonk planen 83 Prozent der Unternehmen, ihr IT-Modernisierungsbudget 2026 zu erhöhen. Und trotzdem scheitern 74 Prozent der Organisationen daran, ihre Modernisierungsprojekte erfolgreich abzuschließen. Das liegt selten an der Technik. Es liegt an mangelnder Vorbereitung, fehlendem Systemverständnis und der Unterschätzung der Komplexität.

Dieses Whitepaper analysiert die aktuelle Lage, beschreibt die wichtigsten Treiber, bewertet die Rolle von Künstlicher Intelligenz als Modernisierungsbeschleuniger und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für österreichische Unternehmen. Es richtet sich an CIOs, CTOs, IT-Leiter und Entscheider, die den Wandel aktiv gestalten wollen, bevor er sie einholt.

2. Der Status quo: COBOL und Legacy-Systeme in Zahlen

220 Mrd.
Zeilen COBOL-Code weltweit in Produktion
3 Bio. USD
Transaktionsvolumen pro Tag
43 %
aller Bankensysteme basieren auf COBOL
⌀ 55 J.
Durchschnittsalter der COBOL-Entwickler

COBOL wurde 1959 entwickelt und ist damit älter als die meisten der Unternehmen, die sie noch einsetzen. Was als temporäre Lösung für Geschäftsanwendungen gedacht war, wurde zum langlebigsten Fundament der globalen Finanzinfrastruktur.

Die Zahlen sind eindrücklich: Weltweit laufen über 220 Milliarden Zeilen COBOL-Code in Produktivsystemen. Diese Systeme verarbeiten rund 95 Prozent aller Bankomat-Transaktionen und 80 Prozent aller persönlichen Kreditkartenzahlungen. COBOL-Systeme wickeln täglich ein Handelsvolumen von drei Billionen US-Dollar ab. 43 Prozent aller Bankensysteme basieren auf COBOL.

In Österreich ist die Situation vergleichbar mit dem europäischen Durchschnitt. Banken wie Erste Group, Raiffeisen und die österreichischen Sparkassen betreiben Kernsysteme, die teilweise seit den 1980er- und 1990er-Jahren auf Mainframe-Plattformen laufen. Die öffentliche Verwaltung, von der Sozialversicherung bis zur Finanzverwaltung, setzt ebenfalls auf historisch gewachsene IT-Architekturen, deren Wartung zunehmend zur Herausforderung wird.

Der globale Legacy-Modernisierungsmarkt spiegelt diesen Handlungsdruck wider: Er wuchs von 13,02 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 15,14 Milliarden im Jahr 2025 und soll bis 2029 ein Volumen von 27,3 Milliarden US-Dollar erreichen. Die EY-Studie zum digitalen Wandel in österreichischen Unternehmen 2026 zeigt: Mehr als acht von zehn Mittelstandsunternehmen messen digitalen Technologien einen hohen Stellenwert bei, die höchste Bedeutung hat Digitalisierung für das Geschäftsmodell der Finanzdienstleister mit 55 Prozent.

3. Die vier Treiber der Modernisierung

Die Legacy-Modernisierung ist kein neues Thema, aber 2026 verdichten sich erstmals mehrere Treiber gleichzeitig zu einem Handlungszwang, der die bisherige „Wait and See"-Strategie vieler Unternehmen unhaltbar macht.

3.1 Fachkräftemangel und demografischer Wandel

Das Durchschnittsalter der COBOL-Entwickler weltweit liegt bei über 55 Jahren. Rund zehn Prozent der verbliebenen Fachkräfte gehen jährlich in den Ruhestand, und die Pipeline an Nachwuchskräften ist nahezu versiegt: Über 85 Prozent der Universitäten haben COBOL seit den 1990er-Jahren aus ihren Lehrplänen gestrichen.

Eine Erhebung von Micro Focus (jetzt OpenText) zeigt, dass 60 Prozent der Unternehmen, die COBOL einsetzen, die Suche nach qualifizierten Entwicklern als ihre größte Herausforderung bezeichnen. 46 Prozent der IT-Fachleute berichten, dass der Mangel bereits spürbare Auswirkungen auf ihren Betrieb hat.

In Österreich verschärft sich die Lage zusätzlich: Laut EY-Studie 2026 nennen 33 Prozent der Mittelstandsunternehmen fehlendes Personal als zentrales Investitionshemmnis bei Digitalisierungsprojekten. Der größte Schulungsbedarf besteht laut derselben Studie im Bereich Datensicherheit und Cybersecurity. Gleichzeitig stellt gerade die eingeschränkte Patchbarkeit vieler Legacy-Systeme ein wachsendes Sicherheitsrisiko dar (vgl. Arvato Systems, 2026).

Die Konsequenz ist klar: Wer seine COBOL-Systeme nicht aktiv modernisiert, wird in den kommenden drei bis fünf Jahren die Fachkräfte verlieren, die sie überhaupt noch betreiben können. Die verbliebene Zeit, um institutionelles Wissen zu sichern und zu transferieren, wird mit jedem Jahr knapper.

3.2 Fujitsu Mainframe End-of-Life 2030

Im Februar 2022 veröffentlichte Fujitsu eine Roadmap, die die IT-Branche aufhorchen ließ: Der japanische Konzern wird den Verkauf seiner Mainframe-Systeme (GS21-Linie) bis 2030 einstellen und den Support bis 2035 beenden. Ebenso werden die UNIX-SPARC-Server bis 2029 abgekündigt, mit Support-Ende 2034.

Für österreichische Unternehmen, die Fujitsu-Mainframes betreiben oder deren IT-Dienstleister auf dieser Plattform aufbauen, entsteht ein konkreter Migrationszwang mit festem Zeithorizont. Wie Gartner-Analyst Philip Dawson warnt: Wer bis 2030 nicht begonnen hat, wird es wahrscheinlich zu spät angehen.

Fujitsu selbst bietet mit dem PROGRESSION-Tool-Suite eine automatisierte Lösung zur Migration von COBOL-Anwendungen auf moderne Plattformen an. Doch die Komplexität solcher Migrationen, insbesondere bei jahrzehntelang gewachsenen Systemen mit Millionen von Code-Zeilen, erfordert eine frühzeitige und strukturierte Planung, die bereits jetzt beginnen sollte.

Die Fujitsu-Ankündigung steht dabei stellvertretend für einen breiteren Trend: Die Mainframe-Hardware-Hersteller reduzieren ihr Engagement, und der Marktanteil von Mainframes am globalen Serverumsatz sinkt kontinuierlich. Nur IBM hält mit der Z-Serie aktiv an der Mainframe-Entwicklung fest.

3.3 DORA: Regulatorischer Druck auf den Finanzsektor

Der Digital Operational Resilience Act (DORA) ist seit dem 17. Januar 2025 als EU-Verordnung in allen 27 Mitgliedstaaten unmittelbar anwendbar, auch in Österreich. DORA verpflichtet Finanzunternehmen, ihre digitale operationale Resilienz systematisch sicherzustellen, ICT-Risiken zu identifizieren, zu dokumentieren und zu managen sowie Drittanbieter von ICT-Dienstleistungen zu überwachen.

Die Relevanz für Legacy-Systeme ist enorm: DORA definiert Anforderungen, die Legacy-Systeme oft nur mit unverhältnismäßigem Aufwand erfüllen können oder die strukturell mit ihren Limitierungen kollidieren. Veraltete Systeme, die keine Sicherheitsupdates mehr erhalten, erfordern zunehmend kostspielige Kompensationsmaßnahmen. Die lückenlose Dokumentation von Abhängigkeiten, Funktionen und Assets, wie sie DORA fordert, ist bei historisch gewachsenen COBOL-Systemen eine besondere Herausforderung.

Die Durchsetzung verschärft sich 2026: Nationale Regulierungsbehörden haben bis Ende März 2026 ihre ersten Register of Information an die Europäischen Aufsichtsbehörden übermittelt. Schätzungen zufolge sind erst rund 50 Prozent der Finanzinstitute vollständig DORA-konform. Unternehmen, die die Vorgaben nicht erfüllen, riskieren Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Für österreichische Banken, Versicherungen und Zahlungsdienstleister bedeutet dies: Die Modernisierung von Legacy-Systemen ist nicht mehr nur eine strategische Option, sondern eine regulatorische Notwendigkeit.

3.4 NIS-2 und erweiterte Compliance-Anforderungen

Neben DORA trat 2024 die NIS-2-Richtlinie in Kraft, die 18 kritische Sektoren betrifft und strengere Anforderungen an Cybersecurity-Risikomanagement und Vorfallsmeldungen stellt. DORA gilt gemäß Artikel 1 Absatz 2 als sektorspezifischer Rechtsakt gegenüber NIS-2 und hat für den Finanzsektor Vorrang. Für Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, etwa in der Energieversorgung, im Gesundheitswesen oder im Transport, erzeugt NIS-2 jedoch vergleichbaren Modernisierungsdruck.

Die Kombination aus DORA und NIS-2 erzeugt ein regulatorisches Umfeld, in dem der Betrieb nicht aktualisierter, schlecht dokumentierter Legacy-Systeme zunehmend zum Compliance-Risiko wird.

4. KI als Katalysator der Modernisierung

Künstliche Intelligenz verändert 2026 die Gleichung der Legacy-Modernisierung grundlegend. Was bisher an der Komplexität, den Kosten und dem Zeitaufwand scheiterte, wird durch KI-gestützte Werkzeuge erstmals in realistischem Rahmen umsetzbar. Die großen Technologieanbieter haben das erkannt und investieren massiv.

IBM hat mit dem watsonx Code Assistant for Z eine Lösung entwickelt, die auf dem hauseigenen Granite-Sprachmodell mit 20 Milliarden Parametern basiert. Das Tool kann COBOL-Anwendungen selektiv in Java-Code übersetzen und unterstützt dabei Abhängigkeitsanalyse, automatisiertes Refactoring und Validierung. Microsoft geht einen anderen Weg und erforscht in Zusammenarbeit mit Bankkunden KI-basierte Agenten für die COBOL-Migration. Ein konkretes Beispiel ist Bankdata aus Dänemark: Das Unternehmen setzt bei über 70 Millionen Zeilen COBOL-Code spezialisierte KI-Agenten für Code-Analyse, Konvertierung und Testgenerierung ein. Amazon Web Services wiederum bietet mit seiner Mainframe-Modernization-Plattform verwaltete Migrationsdienste an, die sowohl Replatforming als auch automatisierte COBOL-zu-Java-Konvertierung umfassen.

Daneben gewinnen auch spezialisierte LLM-Tools an Bedeutung. Lösungen wie Anthropic Claude Code können die Exploration und Analyse von COBOL-Codebeständen automatisieren, von der Abhängigkeitsanalyse über die Dokumentation bis zur schrittweisen Konvertierung. Das ist besonders relevant für mittelständische Unternehmen, die nicht die Budgets für die Enterprise-Suiten von IBM oder AWS mitbringen.

Die Auswirkungen auf die Projektkosten sind bereits messbar: Die durchschnittlichen Kosten eines typischen Modernisierungsprojekts sind laut Branchenanalysen von 9,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf rund 7,2 Millionen im Jahr 2025 gesunken. Der Haupttreiber dieser Reduktion ist die KI-gestützte Automatisierung der aufwendigsten Phasen: Code-Analyse, Abhängigkeitsmapping und Dokumentationserstellung.

Trotz dieser Fortschritte bleibt menschliche Expertise unverzichtbar. Wer schon einmal ein jahrzehntealtes COBOL-System gewartet hat, weiß: Die eigentliche Komplexität steckt nicht im Code selbst, sondern in den impliziten Regeln, den fachlichen Sonderfällen und dem Wissen, warum bestimmte Workarounds existieren. Genau das kann keine KI aus dem Code ablesen. Sie beschleunigt die Grundlagenarbeit erheblich, aber die Architekturentscheidungen, die Domänenexpertise und die Qualitätssicherung bleiben Aufgabe erfahrener Ingenieure. Der Schlüssel liegt in der Kombination beider Welten.

5. Der österreichische Kontext

Österreich ist kein Sonderfall, aber die Mischung aus hochreguliertem Finanzsektor, starkem Mittelstand und spezifischer Förderlandschaft erzeugt einen eigenen Kontext, den es bei der Modernisierungsplanung zu berücksichtigen gilt.

Marktlage und Digitalisierungsgrad

Die EY-Studie 2026 zum digitalen Wandel in österreichischen Unternehmen zeigt ein differenziertes Bild: Mehr als 80 Prozent der Mittelstandsunternehmen messen digitalen Technologien hohe Bedeutung bei. 43 Prozent nutzen bereits KI-Anwendungen, bei Unternehmen mit über 30 Millionen Euro Umsatz sind es sogar 70 Prozent. Gleichzeitig nennen 33 Prozent fehlendes Personal und begrenzte Budgets als zentrale Hürden.

Die Initiative CODE/WENDE hat 2025 die erste österreichweite Umfrage zur IT-Modernisierung im Spannungsfeld von Legacy, KI, Regulatorik und Fachkräftemangel durchgeführt. Ein zentrales Ergebnis: In vielen Unternehmen binden technische Schulden einen erheblichen Anteil des Innovationsbudgets, die sogenannte „30-Prozent-Falle", bei der fast ein Drittel der IT-Ausgaben in die bloße Aufrechterhaltung bestehender Systeme fließt.

Förderlandschaft

Auf Landesebene existieren gezielte Programme, die für Modernisierungsvorhaben relevant sein können. Die Wirtschaftsagentur Wien etwa fördert Digitalisierungsinvestitionen mit einem Einreichzeitraum bis Ende 2026 und auch andere Bundesländer, wie zum Beispiel Salzburg mit seiner Digitalisierungsoffensive, bieten ergänzende Instrumente an.

Da sich Förderprogramme und deren Budgets allerdings laufend ändern, empfiehlt es sich, vor Projektstart individuell zu prüfen, welche Digitalisierungsförderungen auf Bundes- und Landesebene aktuell verfügbar sind und zum konkreten Vorhaben passen. Ein Gespräch mit der zuständigen Wirtschaftskammer oder einem spezialisierten Förderberater kann hier viel Zeit sparen.

6. Modernisierungsstrategien im Vergleich

Es gibt nicht den einen richtigen Weg der Legacy-Modernisierung. Die Wahl der Strategie hängt von Systemkomplexität, Budget, Risikotoleranz und Geschäftszielen ab.

StrategieBeschreibungVorteileRisiken
Rehosting (Lift & Shift)Migration auf neue Infrastruktur ohne CodeänderungSchnell, risikoarm, Kostenreduktion bei InfrastrukturTechnische Schulden bleiben, keine funktionale Modernisierung
RefactoringSchrittweise Umstrukturierung des bestehenden CodesBeibehaltung der Geschäftslogik, moderate KostenErfordert tiefes Systemverständnis, langwierig
ReplatformingMigration auf moderne Laufzeitumgebung mit minimalen AnpassungenBalance aus Modernisierung und RisikominimierungVendor Lock-in möglich, Middleware-Abhängigkeiten
RearchitectingNeugestaltung als Cloud-native Architektur mit MicroservicesHöchste Zukunftssicherheit, volle Cloud-NutzungHöchste Kosten und Komplexität, längste Laufzeit
Strangler Fig PatternInkrementelle Ersetzung einzelner Komponenten bei laufendem BetriebMinimales Betriebsrisiko, schrittweise WertschöpfungErfordert klare API-Schichten, lange Gesamtlaufzeit

Empfehlung: Für die meisten österreichischen Unternehmen empfiehlt sich eine Kombination aus Strangler Fig Pattern und KI-gestütztem Refactoring. Dieser Ansatz erlaubt die schrittweise Entkopplung bei laufendem Betrieb, nutzt KI für die Code-Analyse und Dokumentation und liefert bereits nach drei bis sechs Monaten erste messbare Ergebnisse.

Typische Investitionen für mittelständische Modernisierungsprojekte liegen im Bereich von 100.000 bis 500.000 Euro, bei Gesamtprogrammlaufzeiten von 18 bis 36 Monaten mit halbjährlichen Freigaben.

7. Handlungsempfehlungen: Die nächsten 12 Monate

Die Analyse der Treiber, Marktdaten und verfügbaren Werkzeuge ergibt ein klares Bild: Warten ist keine Option, aber Überstrecken auch nicht. Ein strukturiertes Vorgehen in drei Phasen hat sich bewährt.

Phase 1: Assessment (Monat 1–3)

Am Anfang steht Klarheit. Unternehmen sollten eine vollständige Bestandsaufnahme aller Legacy-Systeme durchführen – nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch. Wo steht welcher COBOL-Code, welche Mainframe-Abhängigkeiten bestehen, und vor allem: Wer versteht diese Systeme noch? Parallel dazu empfiehlt sich eine DORA-Gap-Analyse, die identifiziert, wo bestehende Systeme die regulatorischen Anforderungen nicht erfüllen. KI-gestützte Code-Analyse-Tools können in dieser Phase bereits wertvolle Dienste leisten und den Aufwand der Erstbewertung erheblich reduzieren.

Phase 2: Strategie (Monat 3–6)

Auf Basis des Assessments lässt sich eine fundierte Modernisierungsstrategie definieren. Die zentrale Entscheidung lautet: Strangler Fig, Refactoring, Rehosting oder ein Hybridansatz? In dieser Phase sollte auch geprüft werden, welche Digitalisierungsförderungen auf Bundes- und Landesebene für das Vorhaben in Frage kommen. Entscheidend ist die Wahl des richtigen Pilotprojekts – einer Komponente mit klaren Grenzen und moderater Komplexität, an der das Team lernen kann. Und ganz wichtig: Die Wissenssicherung muss jetzt beginnen. Erfahrene Entwickler sollten, unterstützt durch KI-Tools, die Geschäftslogik dokumentieren, bevor dieses Wissen unwiederbringlich verloren geht.

Phase 3: Pilotierung (Monat 6–12)

In der dritten Phase geht es ans Umsetzen: Die ausgewählte Komponente wird migriert, und die Ergebnisse werden konsequent gemessen, bei Performance, Wartungskosten und Entwicklerproduktivität. Mindestens ebenso wichtig ist das organisatorische Lernen: Welche Prozesse funktionieren, wo hakt es, und was muss für die nächsten Modernisierungswellen anders laufen? Am Ende dieser Phase steht eine belastbare Roadmap für die Skalierung des Programms.

Checkliste für den Sofortstart

  • Fujitsu-Mainframe-Abhängigkeiten identifiziert?
  • DORA-Compliance-Status aller Legacy-Systeme geprüft?
  • COBOL-Entwickler-Demografie und Wissensträger erfasst?
  • KI-Tools für Code-Analyse evaluiert?
  • Aktuelle Digitalisierungsförderungen geprüft?

8. Fazit und Ausblick

Kehren wir zurück zum Entwickler aus der Einleitung, der nächstes Jahr in Pension geht. Sein Wissen über das Kernbankensystem ist nicht ersetzbar, aber es ist übertragbar, wenn man rechtzeitig beginnt. Genau darum geht es bei der Legacy-Modernisierung: Nicht um einen technischen Big Bang, sondern um den geordneten Transfer von Wissen, Funktionalität und Verantwortung auf zukunftsfähige Systeme.

Die Werkzeuge dafür waren noch nie so leistungsfähig. KI-gestützte Code-Analyse, automatisierte Konvertierung und dokumentationsgenerierende Tools reduzieren Aufwand und Kosten erheblich. Gleichzeitig arbeitet die Zeit gegen diejenigen, die abwarten: Jedes Jahr gehen weitere COBOL-Experten in den Ruhestand und nehmen kritisches Systemwissen mit. Die regulatorischen Anforderungen durch DORA und NIS-2 werden nicht sinken. Und die Fujitsu-Deadline 2030 rückt näher.

Dass 74 Prozent aller Modernisierungsprojekte scheitern, sollte niemanden entmutigen, aber es sollte jeden vorsichtig machen. Denn der Grund für das Scheitern ist fast nie die Technik. Es ist mangelnde Vorbereitung, fehlendes Systemverständnis und die Unterschätzung der organisatorischen Komplexität. Erfolgreiche Modernisierung ist kein reines IT-Projekt. Sie ist eine strategische Transformation, die Geschäftsführung, Fachbereiche und IT gemeinsam tragen müssen.

Der Schlüssel liegt im Anfangen: klein, strukturiert, mit dem richtigen Pilotprojekt. Wer in den nächsten zwölf Monaten die Grundlagen legt, also Assessment, Wissenssicherung und erste Pilotmigration avisiert, sichert sich nicht nur regulatorische Konformität und operative Stabilität. Er legt das Fundament für die digitale Wettbewerbsfähigkeit der nächsten Dekade.

Quellen und weiterführende Literatur

Über QUATERNIA IT Solutions

QUATERNIA IT Solutions ist eine auf COBOL und Legacy Modernisierung spezialisierte IT-Boutique mit Sitz in Wien. Wir begleiten Unternehmen von der Erstanalyse über die Strategieentwicklung bis zur erfolgreichen Migration – mit der Kombination aus tiefer Fachexpertise und modernen KI-gestützten Werkzeugen.

Kontakt: d.wagner@quaternia.at · quaternia.at

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Dennis Wagner

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